Leben in der Stadt

Unser Konzept sieht eine Nachbarschaft mit rund 500 Personen vor, welche sich die Nahversorgung mit den Dingen des täglichen Bedarfs selber organisiert und damit einen wertvollen Beitrag zu einer gelebten 2000-Watt-Gesellschaft leistet. Für einen Neubau würden wir etwa eine Hektar benötigen – und damit eine ausserordentlich hohe Ausnützungsziffer erreichen.

Kasernenareal Zürich: Stadt der Zukunft erforschen, erleben und vermitteln

Ist das Polizei- und Justizzentrum auf dem Areal des ehemaligem Güterbahnhofs fertiggestellt, wird die Kaserne frei für neue Nutzungen. Was braucht die Stadt Zürich am dringensten? Bezahlbaren, ökologisch nachhaltigen Wohnraum mit nachbarschaftlichem Charakter. Das kann sie haben.


Die bestehenden Bauten werden teilweise erhalten. Die gegenwärtige Grünfläche wird zum Park für das Quartier. Er ist notwendig als Ort der Ruhe, und der Idylle.
 

Der Vorschlag «unaltra» der Bau- und Wohngenossenschaft NeNa1 richtet sich an folgenden Zielen aus:
Nutzen für die Stadt: eine ökologische, autofreie Pionieranlage der 2000-Watt-Gesellschaft.
Nutzen für das Quartier: Es erhält eine Oase der Ruhe und der Meditation.
Erprobung von nachhaltigen Lebensweisen: Es sollen nicht bloss Behausungen, sondern in sich funktionierende Nachbarschaften gebaut werden, die gemeinsame Nutzungen erlauben und eine multifunktionale Infrastruktur bieten.
Ein Ausweg aus der verfahrenen Landwirtschaftspolitik: Direkte Verknüpfung der Abnehmer mit Bauernbetrieben der Region. Verdichtetes Bauen bei teilweiser, sinnvoller Erhaltung der historischen Bausubstanz.
Bezahlbare Wohnungen für rund 1000 Menschen: Junge und Alte, Singles und WGs, Familien und Alleinerziehende.
Vielfältiges, selbstbestimmtes Alltagsleben, keine zusätzlichen, kommerziellen Events für anonyme Kunden (selbstverständlich gastiert der Zirkus ab und zu im Park).

Das Kasernenareal in Zürich Aussersihl ist eine Chance, die Lebensweise, die für die Realisierung der 2000-Watt-Gesellschaft notwendig ist, an einem zentralen Ort zu entwickeln, zu testen und zu verbreiten. Es geht also nicht darum für ein paar glückliche Menschen günstigen Wohn- oder Gewerberaum zu schaffen, vielmehr soll eine stadt- und landesweite, öffentliche Aufgabe erfüllt werden.

Das Kasernenareal ist dafür besonders gut geeignet: es ist gross genug, es fügt sich gut ins Quartier ein, es ist verkehrsmässig optimal erschlossen. Zudem ist die vorgeschlagene Nutzung weder laut noch führt sie zu einem übermässigen Publikumsverkehr. Das Kasernenareal bleibt eine ruhige grüne Oase.

Im Einzelnen schlagen wir folgendes vor:

  • alle Grünflächen bleiben integral erhalten
  • auf den bisher überbauten Arealen (Kaserne und Zeughäuser) entstehen zwei Modellnachbarschaften für eine zukunftsfähige Lebensweise (una und altra)
  • diese Modellnachbarschaften müssen eine Grösse haben, die ökologisch, logistisch und sozial eine breite Palette von lokalen Nutzungen tragen kann (dies ist notwendig, um das Verkehrsaufkommen an der Quelle zu reduzieren)
  • damit dies möglich ist, muss die Kaserne und die Zeughäuser teilweise abgerissen werden; die bisherigen Gebäude erlauben keine dichte Nutzung und sind ökologisch nur mit grossen Kosten sanierbar; Fassadenteile und Baumaterialien können bei den neuen Bauten verwendet werden (zum Beispiel das Eingangsportal der Kaserne)
  • in beiden Modellnachbarschaften entstehen Behausungen, die verschiedenste Wohnformen erlauben und die den Wohnraumbedarf (auch das ist eine ökologische Rahmenbedingung) auf maximal 35m2pro Person beschränken
  • für die Modellhaftigkeit ist es notwendig, dass die BewohnerInnen ungefähr dem durchschnittlichen Bevölkerungsmix entsprechen; das Projekt ist also ein Mehrgenerationenprojekt; es ist einkommensmässig gemischt, umfasst Schweizer und Ausländer, Menschen mit verschiedener Ausbildung, Menschen mit Behinderungen usw.
  • die heutige Umweltbelastung entsteht zu einem Drittel aus der Ernährung und zu je 20 % aus Mobilität und Wohnen; die letzten beiden Faktoren lassen sich an Ort und Stelle technisch und organisatorisch sehr gut reduzieren; bei der Ernährung geht es darum eine völlig neue Logistik zu entwickeln, die BäuerInnen und NahrungsmittelverbraucherInnen zusammenbringt und eine regionale, saisonale und weitgehend biologisch/sozial verträgliche Ernährung ermöglicht; das Konzept dafür heisst Mikroagro und funktioniert auf der Basis von Vertragslandwirtschaft; das bedeutet je etwa 80 ha Landwirtschaftsfläche für die zwei Modellnachbarschaften in der weiteren Region (bis max. 50 km entfernt); Mikroagro erbringt den grössten Teil der Nahrungsmittelversorgung, der Rest wird mit fairem Austausch beschafft (Kaffee, Tee, Wein, Olivenöl, Bananen usw.)
  • die neue Ernährungslogistik, die Reduktion des privaten Wohnraums, die Optimierung von Haushaltdienstleistungen erfordern in jeder Modellnachbarschaft eine gemeinsam betriebene Infrastruktur im Erdgeschoss, die Lebensmitteldepot und –verarbeitung, Wäscherei, Tausch- und Leihzentrum, Restaurant/Bar/Café/Gesellschaftsräume, Unterhaltungsmöglichkeiten, Bad usw. umfasst; dieses Mikrozentrum wird je um die 1200m2in den Erdgeschossen einnehmen
  • die andere Hälfte der Erdgeschosse und die erhaltenen Räume in der Südwestecke der Zeughäuser (zusammen mit grünem Hof und Labyrinth) stehen gewerblichen, kulturellen und sozialen Nutzungen des Quartiers oder der Stadt zur Verfügung;
  • für das Quartier vorderes Aussersihl (inkl. una/altra) wird entlang der Kanonengasse in neuen und alten Räumen ein demiurgisches Werkstattcluster namens THEMA eingerichtet; diese Produktions- und Dienstleistungsräume dienen einer zusätzlichen Relokalisierung und schaffen auch lokale Arbeits- und Betätigungsmöglichkeiten; sie versuchen ein neues Wirtschaften auszuprobieren, das auf der Nutzung von Gemeingütern (Commons) beruht;
  • die beiden Nachbarschaften und THEMA dienen als Lehr-, Lern- und Entwicklungszentrum für das Leben in der 2000-Watt-Gesellschaft; beide Nachbarschaften verfügen über je 20 Gästezimmer, die es erlauben das neue Leben und Arbeiten zu erfahren, und stadtweit anzuwenden; die Zusammenarbeit mit der PHS, der ETH und Fachhochschulen wird gesucht; es gibt ein öffentliches Besichtigungsprogramm;
  • der Kasernenpark wird umgestaltet, so dass er ganzjährig benutzt werden kann und kinderfreundlicher wird; die heute schon bestehende Qualität eines verborgenen Bezirks wird verstärkt durch eine Ummauerung gegen die Strassen; rund herum wird eine Stoa (offener Säulengang, Laube) gebaut, die als peripatetisches Museum für Mathematik und Physik genutzt wird; ein Tell des ehemaligen Exerzierplatzes wird zum Experimentierplatz, ein lehrreicher Spielgarten für Jung und Alt; ein kleines Bad ergänzt den attraktiven Park.

Ein Modell für den gemeinnützigen Wohnungsbau

Selbstverständlich ist NeNa1 bereit eine der beiden Modellnachbarschaften zu bauen; doch es sollen alle interessierten Genossenschaften eingeladen werden sich zu beteiligen; günstiges Wohnen ist möglich, wenn Stadt und Kanton sich einigen und das Land zu einem bezahlbaren Baurechtszins abgeben.

Mit dem Projekt Unaltra schlagen wir eine dringend notwendige öffentliche Nutzung vor, die es zugleich 1000 BewohnerInnen erlaubt mitten in der Stadt (also nicht in Pendlerdistanz) zu leben und zu arbeiten. Gebäude, die einer nicht mehr nötigen militärischen Verteidigung dienten, dienen so der ökologischen Verteidigung, die unsere aktuelle und mindestens so vitale Herausforderung ist.

Keine Angst vor der Zukunft


Der Grundriss zeigt oben links «altra» und unten rechts «una»

Wir glauben, dass die alten Gebäude (ausser einem nostalgischen Rest an der Kanonengasse) nicht besonders erhaltenswert sind. Sie waren immer schon ein (gewollter) Fremdkörper in einem vielfältigen Arbeiterquartier und hatten rein strategische Bedeutung. Gebäude aus der gleichen Epoche gibt es in Zürich genug (Uni bzw. ETH, Gessnerallee, Bahnhofstrasse usw.).

Mit der von uns vorgeschlagenen Überbauung wird die alte Grundstruktur des Areals (Park; zwei grosse, kompakte Baukörper) erhalten. Wir wollen keinen weiteren gewaltsamen Eingriff ins Quartier, so wie er an der Europaallee erfolgt ist.

Die neuen Bauten können so gestaltet werden, dass sie sich in die Bebauungslogik des Quartiers einfügen (abwechslungsreiche Fassaden, verschiedene Formen und Materialien, öffentliche und halböffentliche Erdgeschossnutzungen usw.). Sie werden zwischen 6 bis 10 Geschosse hoch sein müssen, um die notwendige Ausnützung zu gewährleisten, doch kann die Höhe je nach Lage so variiert werden, dass keine störenden Klötze entstehen. Der Genius Loci wird gewahrt. Das Quartier Aussersihl bleibt Aussersihl.

Wir verstehen die Befürchtungen, dass nach einem Abbruch der bisherigen Gebäude die Schleusen für spekulative Nutzungen geöffnet werden könnten. Doch mit einer rein defensiven Haltung werden wir dies nicht verhindern und uns zugleich die Chancen für zukunftsweisende Nutzungen verbauen. Wir vertrauen auf die politische Kraft der Zürcher Bevölkerung, dass sie eine rein kommerzielle Nutzung des Areals abwenden wird.

Anmerkung: Unsere Skizzen sind keine architektonisch gemeinten Vorschläge, sondern Stimmungsbilder